Über Sprache

Sprache und Schrift sind wichtige Schlüssel, die eine Teilnahme und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erst ermöglichen.

Viele Texte sind kompliziert oder in Fachsprache geschrieben. Manchmal ist der Stil ausgeschmückt literarisch, dann wieder in einer Amtssprache.

Für Menschen, die aus verschiedenen Gründen die deutsche Sprache nicht gut lesen können, sind viele Texte schwer oder nicht zu verstehen. Texte in Einfacher Sprache sind daher ein wichtiges und sinnvolles Zusatzangebot für ein besseres Textverständnis. Sie ermöglichen es vielen Menschen, sich selbstständig ohne fremde Hilfe zu informieren, wichtige Inhalte zu verstehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Auch wer keine Probleme mit dem Lesen oder Schreiben hat, freut sich über eine klare und verständliche Kommunikation. 

Über Einfache Sprache

Einfache Sprache ist ein Konzept der sprachsensiblen Kommunikation. Ziel der Einfachen Sprache ist es, aus komplexen Vorlagen gut verständliches Deutsch zu machen. Sie ist auf die Fähigkeiten der angesprochenen Zielgruppe ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Empfänger der sprachlichen Botschaften.

In der Praxis bedeutet das: Die Experten der Einfachen Sprache untersuchen den mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch auf sprachliche Stolpersteine. Diese werden neu formuliert, so dass die Inhalte dabei gleich bleiben. Die Sprache wird angepasst. Die Zielgruppe bekommt danach einen einfacheren Zugriff. Inhalte können ohne Mühe verstanden werden.

Texte und Beratungen in Einfacher Sprache sind inhaltlich klar, sprachlich korrekt und angenehm lesbar oder hörbar. Vertreter der Einfachen Sprache stellen sich Fragen wie diese: Wie schreibe ich so, dass mich jeder versteht und meine Texte dabei lebendig bleiben? Wie spreche ich Menschen an, die Schwierigkeiten mit Deutsch oder speziell nur mit Fachsprachen haben?

Einfache oder „leichte“ Sprache?

Die beiden Konzepte werden oft verwechselt. Beides sind Ansätze, mit denen Kommunikation „entkompliziert“ werden soll. Sie haben aber unterschiedlichen Hintergrund und werden in der Praxis verschieden verwendet. 

Die „leichte“ Sprache ist eine extreme Form der Vereinfachung. Sie ist aus der Behindertenhilfe entstanden. Verglichen mit dem Fremdspracherwerb entspricht „leichte“ Sprache dem Niveau für absolute Anfänger (A1). Man schreibt zum Beispiel einen Satz pro Zeile, verzichtet auf das Passiv, die Verneinung und das Konjunktiv. Außerdem trennt man Wörter mit Bindestrichen. Inhalte werden oft gekürzt.

​Die Einfache Sprache ist ein Mittelweg zwischen der „leichten“ Sprache und der Fachsprache. In der Einfachen Sprache geht es um die Verständlichkeit. Es wird dabei nichts völlig verboten. Es wird auf mögliche sprachliche Hürden aufmerksam gemacht und nach Wege der Vereinfachung vorgeschlagen. Der Inhalt bleibt dabei gleich, die Art und Weise des Schreibens und Sprechens verändert sich. Die Kommunikation wird deutlich verständlicher und ansprechender.

„Regeln“ der Einfachen Sprache

Anders als die „leichte“ Sprache, hat Einfache Sprache kein festes Regelwerk. Vielmehr handelt es sich um eine Reihe von Empfehlungen. Diese Empfehlungen sind Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen wie der Forschung zu Verständlichkeit, Lese-Erwerb, Übersetzung und Ähnlichem.

Wir orientieren uns bei unserer Arbeit an dem Konzept von Dr. Mansour Neubauer. Er verfolgt in seinen Arbeiten einen dynamischen Ansatz der Einfachen Sprache (ein Ampelsystem). Dabei arbeitet er stark praxisbezogen und immer zusammen mit den Zielgruppen. Unterschieden wird zwischen allgemeinen Grundregeln (Empfehlungen für alle Zielgruppen) und Zusatzregeln (Empfehlungen für ganz bestimmte Zielgruppen, Situationen oder Medien).

 

Für jede Regel der Einfachen Sprache wurde eine Ampel entwickelt – von dunkelgrün (sehr einfaches Deutsch) bis dunkelrot (sehr anspruchsvolles Fachdeutsch). Mithilfe dieses Ampelsystems ist das Deutsch weder zu einfach, noch zu schwierig. Die Sprachschwierigkeit kann so „dosiert“ werden, dass die Fachsprache für die Zielgruppe verständlich wird.