Tipp des Monats Mai: Bilden Sie kurze Sätze

„Wie Ihnen bereits aus den Talkshow-Interviews unseres Ministers und aus den Instagramm- und Youtube-Kanälen diverser Oppositionsmitglieder bekannt sein dürfte, treten die geplanten Neuregelungen, die die erwachsene Bevölkerung im gesamten Bundesgebiet mit Ausnahme der Überseegebiete betreffen, erst dann in Kraft, wenn alle Provinzfürsten in ihren Parlamenten ein positives Votum erzielt haben, wobei wir hier ein Zeitfenster zu beachten haben, das durch den Kalender definiert und vom Volumen auf der Basis des Steueraufkommens gedeckelt ist, um eine Überschuldung im Staatshaushalt zu vermeiden und die Menschen in unserem Land nicht zu verunsichern.“

Die Satzlänge sagt vieles aus. Manchmal erfahren wir weniger über den Inhalt und mehr über den Verfasser. Lange Sätze sind nicht nur schwer verständlich. Sie ermüden auch den Leser oder Zuhörer. Die Konzentration lässt nach und das Publikum ist überfordert. Die Botschaft kommt nicht mehr an.

Seitenlänge Sätze sind in philosophischen Seminaren gut aufgehoben. Dort hat man die Zeit und Muße, um die verschiedenen Bezüge herauszuarbeiten und zu interpretieren. Im Alltag sind wir eher für kurze und knackige Botschaften empfänglich.

Werfen wir noch einmal einen Blick auf den Beispielsatz vom Beginn. Als Leser haben wir zunächst das Gefühl, dass jede Menge Gedanken in dem Satz stecken. Wir versuchen, den Satz im Kopf in seine Bestandteile zu zerlegen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wir geben ermüdet und entnervt auf. Unser Ergebnis „wird schon nicht so wichtig sein“ oder „wird schon stimmen“.
  2. Wir zerpflücken den Satz zu Ende und erhalten die Kernbotschaft „Es ist nichts entschieden“. Viele der Aussagen in dem Satz dienen lediglich der Überhöhung der Botschaft oder Verschleierung.

Es ist nicht so, dass lange Sätze grundsätzlich verwendet werden, um die Leser zu manipulieren. Viele Sätze werden dadurch lang, dass wir besonders schön formulieren und beschreiben wollen. Höflichkeit ist ebenfalls ein Aspekt, der Sätze und Texte unnötig verlängert:
„Vielen herzlichen Dank Herr Kollege für die Überlassung der überaus hilfreichen und wertvollen Unterlagen und Materialien, die mir bei meiner aktuellen Aufgabenstellung sehr weiterhelfen und die ich Ihnen selbstverständlich sofort wieder zurückgebe, wenn sie von mir nicht mehr weiter benötigt werden.“

Was können wir tun, damit unsere Sätze nicht zu lang und unverständlich werden?
  1. Sehen Sie sich Texte an und zählen Sie die Wörter in den Sätzen. Gut lesbar sind Sätze mit bis zu 13 Wörtern. Genauer hinsehen sollten Sie, wenn Sätze mit mehr als 20 Wörtern dominieren.
  2. Damit kurze Sätze nicht abgehackt wirken, können Sie Konjunktions-Adverbien benutzen:
    Ich habe zurzeit viele Projekte. Deshalb treibe ich kaum Sport.
  3. Sie können Satzanfänge bei kurzen Sätzen verändern, damit sie gefälliger wirken:
    – Wir stellen die neue Kampagne am Freitag vor.
    – Die neue Kampagne stellen wir am Freitag vor.
    – Am Freitag stellen wir die neue Kampagne vor.
  4. Wir sparen Wörter, wenn wir Funktionsverben vermeiden:
    Statt „eine Untersuchung durchführen“ => „untersuchen“
  5. Hilfsverben (möchten, dürfen, können, wollen, sollen) können oft vermieden werden:
    Statt „Ich möchte Ihnen heute unser neues Produkt vorstellen“ => „Ich stelle Ihnen heute unser neues Produkt vor“.
  6. Prüfen Sie Ihren Text auf unnötige oder doppelte Information.
    „das Innovative an dem neuen Produkt ist…“
  7. Schreiben Sie für Ihren Text einfach drauf los und prüfen Sie hinterher
    Lassen Sie sich von den Gedanken an kurze Sätze nicht in Ihrem Schreibfluss bremsen. Wichtig ist, dass Sie alle Inhalte niedergeschrieben haben. Den Text können Sie auch hinterher optimieren.

Vergessen Sie nicht: Ihr Text soll inhaltlich klar, sprachlich korrekt und angenehm zu lesen sein!