Tipp des Monats Juni: Benutzen Sie Verbalstil

„Für die Geltendmachung Ihrer Ansprüche besteht das Erfordernis der Einreichung der Antragsformulare innerhalb der vom Gesetz vorgesehenen Frist.“

Wie geht es Ihnen mit dem obigen Satz? Er klingt ziemlich kompliziert und verschachtelt. Auffallend sind die vielen Hauptwörter (Nomen). Wir sprechen auch von einem Nominalstil. Dabei werden die Aktivitäten mithilfe von Nomen ausgedrückt. Hier noch ein paar einfachere Beispiele:

    • Die Zubereitung der Speise
    • Die Reparatur des Autos
    • Die Planung des Urlaubs

Ein Gegenstück dazu ist der Verbalstil. Wenn wir in diesem Stil schreiben, bilden Verben (Tätigkeitswörter) den inhaltlichen Kern eines Satzes:

    • Die Speise zubereiten
    • Das Auto reparieren
    • Den Urlaub planen

Sie werden es schon vermuten: Wir finden den Nominalstil häufig in Fachtexten und amtlichen Schreiben. Doch nicht nur: Dieser Stil taucht oft in Stellenanzeigen, Hausordnungen, Anleitungen, Beipackzetteln oder Nutzungsbedingungen auf.

Mit dem Nominalstil können Sachverhalte kurz und knapp ausdrückt werden. Das ist grundsätzlich eine gute Sache. Deshalb wird er beispielsweise gerne für Überschriften oder Tagesordnungen (TOP 1: Eröffnung, Begrüßung und Vorstellung der Teilnehmenden) verwendet.

Das Problem entsteht meist dann, wenn der Nominalstil gehäuft vorkommt. Die Sätze und Texte wirken statisch, umständlich und unübersichtlich. Verstärkt wird das, wenn viel mit zusammengesetzten Wörtern (Komposita) gearbeitet wird. Das macht Texte noch schwerer verständlich. Texte und Sprache mit vielen Verben wirken dagegen lebendiger.

Was machen wir, damit wir es mit dem Nominalstil nicht übertreiben?

  1. Viele der sogenannten Genitiv-Verkettungen kann man leicht auflösen. Ein paar Beispiele finden Sie schon oben bei der Beschreibung der Stile. Wir wechseln in den Verbalstil, wenn wir aus der „Steuersenkung der Regierung“ ein „die Regierung senkt die Steuern“ machen.

  2. Wenn wir lange Komposita zerlegen, sparen wir keine Hauptwörter. Trotzdem werden Texte dadurch leichter verdaulich. „Fachkraft für die Gebäudereinigung“ liest sich in einer Stellenanzeige einfacher als „Gebäudereinigungsfachkraft“.

  3. Adjektive (Eigenschaftswörter) können manchmal ebenfalls ein Nomen ersetzen:
    Die Aussage „Die Genauigkeit der Wettervorhersage ist wichtig“ hat die gleiche Bedeutung wie „Es ist wichtig, wie genau die Wettervorhersage ist“.

  4. Nebensätze mit Verb können oft dabei helfen, überflüssige Hauptwörter zu vermeiden.
    „Aufgrund zu schnellen Fahrens kassierte ich einen Strafzettel“ oder 
    „Ich kassierte einen Strafzettel, weil ich zu schnell gefahren bin“.

  5. Es gibt feste Verb-Nomen-Verbindungen, die sich im Sprachgebrauch eingebürgert haben. Die Bedeutung wird dabei vom Verb auf das Hauptwort verlagert. Das kann häufig sehr leicht vereinfacht werden:
    „Eine Untersuchung durchführen“ => untersuchen
    „Eine Genehmigung erteilen“ => genehmigen
    „Einen Antrag stellen“ => beantragen

Wie würden Sie den langen Satz vom Anfang vereinfachen?
Hier mein Vorschlag:
„Um Ihre Ansprüche geltend zu machen, müssen Sie die Antragsformulare innerhalb der gesetzlichen Frist einreichen.“

Vergessen Sie nicht: Ihr Text soll inhaltlich klar, sprachlich korrekt und angenehm zu lesen sein!

Der Tipp des Monats wird Ihnen präsentiert vom Team Einfache Sprache und von servicekultur.eu