Tipp des Monats Juli: Sprechen Sie Deutsch?!

„Ahoj, jak se máš?“ Das ist tschechisch und bedeutet „Hallo, wie geht’s?“ oder „Ciao, come stai?“  oder „Hi, how are you?“. Warum ich meinen Beitrag mit dieser Floskel in vier verschiedenen Sprachen beginne?

Es ist Ferienzeit. Urlaubszeit ist auch Reisezeit. Der Sommer ist die Jahreszeit, in der wir auf besonders viele andere Menschen mit verschiedenen Sprachen und Kulturen treffen. Die Einfache Sprache hilft auch im Urlaub bei der Kommunikation.

Menschen, die sich für uns und unsere Kultur interessieren, besuchen unser Land. Viele haben vielleicht sogar irgendwann in der Schule etwas Deutsch gelernt oder mal einen Sprachkurs besucht. Sich in der Sprache des anderen zu verständigen, das macht stolz und bringt Freude. Es ist auch ein Zeichen gegenseitiger Wertschätzung.

Als Anhaltspunkt für das Sprachniveau: Viele von uns hatten in der Schulzeit das manchmal zweifelhafte Vergnügen mit einer zweiten oder gar dritten Fremdsprache. Wenn man eine Sprache nicht regelmäßig benutzt, vergisst man sehr viel. Vor allem Grammatik und Vokabeln. Einiges bleibt aber auch über Jahre und Jahrzehnte hängen. Das ist meist das Wissen, mit dem man Überleben kann.

Stellen Sie sich vor: Touristen fragen Sie in schlechtem Deutsch nach den Sehenswürdigkeiten in Ihrer Stadt. Oder sie suchen das beste Restaurant. Es gibt viele Möglichkeiten in ein Gespräch zu kommen.

Nehmen Sie sich etwas Zeit und beantworten Sie die Fragen der Gäste. Nutzen Sie dazu gerne die Empfehlungen der Einfachen Sprache: Kurze Sätze, häufige und kurze Wörter und so weiter.

  • Wenn Sie nicht sicher sind: Fragen Sie die Gäste, ob sie Deutsch sprechen möchten.
  • Ermuntern Sie die Fremdsprachler: „Wir versuchen es einfach mal.“
  • Bleiben Sie geduldig und sprechen Sie langsam und deutlich.
  • Wenn etwas nicht verstanden wird, wiederholen Sie es auch mehrfach. Versuchen Sie dabei besonders schwere Wörter zu ersetzen oder verändern Sie die Wortstellung im Satz.
  • Fremdwörter sind meist etwas schwierig. In der Kommunikation mit Fremdsprachigen können Fremdwörter allerdings eine echte Hilfe sein. Es gibt viele Begriffe (Museum, Theater, Restaurant, Taxi), die international verstanden werden. Viele dieser (fast) weltweit verständlichen Wörter haben ihren Ursprung im Lateinischen oder Griechischen.
  • Aus dem Englischen stammen viele Ausdrücke aus Technik, Medien und vielen anderen Lebensbereichen, die in sehr vielen Ländern angepasst und übernommen wurden.
  • Wechseln Sie nicht bei der ersten kleinen Schwierigkeit sofort zur vermeintlich universellen englischen Sprache. Falls es doch notwendig werden sollte: Denken sie an die sogenannten „falschen Freunde“. Das sind Ausdrücke, die in beiden Sprachen existieren und unterschiedliche Bedeutung haben. Der Klassiker: „Gift“ ist im Deutschen etwas ungesundes, im Englischen jedoch ein Geschenk. Einer geht noch: „May I become a beefsteak?“
  • Vermeiden Sie sehr bildhafte Sprache (Metaphern, Sprichwörter, Aphorismen). Diese Ausdrücke spiegeln oft unsere eigene Kultur wider und können für Menschen aus anderen Kulturkreisen missverständlich oder unverständlich sein. Sprechen Sie die Dinge besser klar und direkt an.
  • Vermeiden Sie komplizierte Zeitkonstruktionen: „Wenn ihr in der Pizzeria gegessen habt, werdet ihr schon nach der Vorspeise satt gewesen sein.“ Die Aussage geht auch einfacher: „In der Pizzeria ist man nach der Vorspeise satt.“
  • Hören Sie aktiv zu. Das bedeutet: Vergewissern Sie sich, das Sie verstanden wurden. Das kann beispielsweise durch Rückfragen oder Wiederholungen geschehen.

Ich hatte bisher die Menschen im Fokus, die zu uns in den deutschsprachigen Raum kommen. Wie ist es in der anderen Richtung? Wenn wir andere Länder bereisen? Bereiten wir uns darauf vor und versuchen wir wenigstens einige Redewendungen zu beherrschen?

Damit bin ich wieder bei der tschechischen Floskel des Anfangs. Durch meinen Umzug wohne ich wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Da liegt es nahe, sich etwas genauer mit den Nachbarn zu befassen. Grenzen trennen nicht nur, Grenzen werden überwunden, verbinden und fördern den Austausch. Mich hatte es jedenfalls motiviert einen VHS-Kurs „Tschechisch für den Urlaub“ zu belegen. Ich bin kein Sprachtalent, deshalb ist nicht viel hängengeblieben. Doch das Wenige reicht, damit Gespräche mit tschechischen Muttersprachlern vielleicht eine etwas angenehmere Atmosphäre zum Einstieg bekommen.

Ich möchte alle Menschen, die diesen Beitrag lesen, ermuntern: Setzen Sie sich mit anderen Kulturen, Werten und Systemen auseinander. Und zwar sprachlich, denn das ist der Zugang. Kommunikation ist am Ende des Tages das, was zählt und uns weiterbringt. Dazu helfen natürlich auch alle Apps und Übersetzer für die Hosentasche, die uns das Gespräch erleichtern.

Die Hauptsache ist, dass wir miteinander reden, und zwar auf allen Ebenen. Panzerhaubitzen und Politikergedöns werden das friedliche Miteinander nicht fördern. Das müssen die Menschen selbst übernehmen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen und erholsamen Urlaub mit vielen inspirierenden Bekanntschaften rund um den Globus!

Vergessen Sie nicht: Ihre Kommunikation soll inhaltlich klar, sprachlich halbwegs korrekt und angenehm zu lesen sein!

Wenn Sie sich mehr für das Thema der Einfachen Sprache interessieren: Schicken Sie mir eine Nachricht an peter@einfache-sprache.team